Archiv für Mai 2018

In diesem Monat präsentieren wir ein romantisches Foto von unserem Astrofotografen Heiko Albrecht. Es zeigt die schmale Mondsichel neben dem hellen Planeten Venus in der Abenddämmerung. Schon vor tausenden von Jahren waren die Menschen wohl von diesem Anblick fasziniert. Vielleicht hat man unseren Nachbarplaneten deshalb nach der römischen Göttin der Liebe und Schönheit benannt. Was sich tatsächlich hinter dem schönen Schein verbirgt, konnte jedoch erst vor wenigen Jahrzehnten geklärt werden.

Noch in den 1950er Jahren glaubte man, bei der Venus handele es sich um eine zweite Erde. Tatsächlich ist sie mit rund 12 100 km Durchmesser fast so groß wie unser Heimatplanet (ca. 12 800km). Schon von der Erde aus ist zu erkennen, dass sie von einer dichten Wolkenhülle umgeben ist. So vermuteten Forscher über Jahrhunderte, die Venus gleiche der Urerde vor mehreren Millionen Jahren. Es gab sogar Theorien über Urwälder und Dinosaurier, die man auf der Venus finden könne. Für die Suche nach außerirdischem Leben schien die Venus lange Zeit viel interessanter als der Mars zu sein.

Mitte der 1950er Jahre ergaben Radiomessungen jedoch eine Oberflächentemperatur von rund 450°C. Da sich unser Nachbarplanet näher an der Sonne befindet, hatte man durchaus mit höheren Temperaturen gerechnet, aber nicht mit einer Hitze, bei der sogar Blei schmilzt. Es brauchte jedoch erst das Raumfahrzeitalter, um die vielen Spekulationen rund um den vermeintlichen Zwilling der Erde zu beenden.

Vor allem die sowjetischen Venera-Raumsonden (Wenera = russisch für „Venus“) schafften es, sowohl weich zu landen, als auch erste Bilder der Oberfläche zur Erde zu senden. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Venus alles andere als ein Zwilling der Erde ist. Bei Temperaturen von bis zu 475°C und einem Druck von rund 90 bar versagten alle Raumsonden nach wenigen Minuten. Die Sonden konnten jedoch feststellen, dass die Atmosphäre der Venus einen Kohlendioxidanteil von über 96 % aufwies. Auf der Erde sorgt schon ein Kohlendioxidanteil von 0,04 % für einen klimaverändernden Treibhauseffekt. Der Treibhauseffekt auf der Venus hat zur Folge, dass es trotz großer Mengen Wassers in der Atmosphäre niemals regnet.

Außerdem ergaben die Messdaten der Raumsonden, dass ein Tag auf der Venus rund 243 Erdtage dauert. Für eine Umkreisung der Sonne benötigt die Venus aber nur 224 Erdtage, weshalb der Venustag tatsächlich länger ist als das Venusjahr.  Außerdem rotiert die Venus, anders als alle anderen Planeten, mit dem Uhrzeigersinn.

Obwohl die Venus von der Erde betrachtet eine wahre Schönheit darstellt, hat sich beim genaueren Hinsehen das exakte Gegenteil erwiesen. Unser Nachbarplanet ist leider kein Zwilling der Erde, und Leben ist dort noch weniger möglich als auf dem kalten Wüstenplaneten Mars. Wenn uns die Venus in den kommenden Wochen am westlichen Abendhimmel erscheint, erinnert sie uns vielleicht daran, welch seltener und wertvoller Hort des Lebens unsere Erde ist.

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Den Förderverein Sternwarte Neumünster gibt es schon seit 9 Jahren. Nun wurde er auch offiziell ins Vereinsregister eingetragen. Aber was macht dieser Verein eigentlich?

In den Augen vieler Neumünsteraner ist die vhs-Sternwarte selbst ein Verein. Tatsächlich gehört sie aber, wie der Name schon verrät, zur Volkshochschule Neumünster. Die vhs ist für die Verwaltung und den Betrieb der größten Sternwarte in Schleswig-Holstein verantwortlich. Betreut wird das Observatorium aber ehrenamtlich durch die Mitglieder des vhs-Kurses „Sternkieker – Astronomie-AG“.

Problematisch ist jedoch seit jeher die Finanzierung der Einrichtung, da sie keine öffentlichen Gelder erhält. Aus diesem Grund wurde 2009 ein gemeinnütziger Förderverein gegründet, der den enormen Investitionsstau an der vhs-Sternwarte langfristig beheben könnte.

Tatsächlich war es dem Förderverein mithilfe vieler engagierter Firmen und einiger großzügiger Spenden möglich, eine Modernisierung der Beobachtungstechnik und der Räumlichkeiten vorzunehmen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich die vhs-Sternwarte zu einer überregional bekannten Besucherattraktion.

Die Modernisierungspläne sind aber noch längst nicht abgeschlossen. Für die Sternkieker gibt es bis zum 50. Sternwartenjubiläum im November 2021 noch viel zu tun. Unter anderem soll eine neue Fernrohrwerkstatt entstehen und der Vorraum besucherfreundlich renoviert werden.

Mit der Eintragung in das Vereinsregister hoffen die Neumünsteraner Astronomen auf bessere Möglichkeiten, an öffentliche Fördermittel zu gelangen. Mit rund 40 Vereinsmitgliedern ist die Zukunft der vhs-Sternwarte zwar gesichert, aber die Verwirklichung der angestrebten Ausbaupläne schwierig. Material- und Geldspenden sind auch weiterhin herzlich willkommen um die großen und kleinen Neumünsteraner nach den Sternen greifen zu lassen.

Der Vorstand des Fördervereins der vhs-Sternwarte Neumünster vor ihrem Hauptteleskop. V.l.n.r.: Jürgen Kahlhöfer, Stefan Bruns, Meltem Tischmann, Marco Ludwig

 

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