Ein „neues“ altes Teleskop für die Sternwarte

Die Neumünsteraner Astronomen können sich über ein weiteres Teleskop für die Himmelsbeobachtung freuen. Diesmal ist es jedoch kein neues, sondern ein ungewöhnlich altes Fernrohr, das nun in der Sternwarte restauriert werden soll.

In einem alten Schuppen stand das Gerät zur Abholung bereit

Es war auf der diesjährigen Holstenköste, als die Neumünsteraner Astronomen angesprochen wurden. Besucher Markus Arndt aus Kellinghusen besaß nämlich ebenfalls ein großes Fernrohr, das in einem Schuppen auf seinem Anwesen einstaubte. Das Gerät gehörte ursprünglich zu einem Mädcheninternat, welches früher auf seinem Grundstück angesiedelt war. Mit dem Erwerb der Immobilie fiel ihm auch die dazugehörige Sternwarte inklusive Teleskop aus den 1950er Jahren zu.

Genutzt wurde das ca. 200 kg schwere Gerät seither jedoch nicht mehr, und nun stand es eigentlich eher im Weg herum. So besuchte der stellvertretende Sternwartenleiter  Stefan Bruns Herrn Arndt und sein Fernrohr, um mehr darüber herauszufinden. Anhand verschiedener Fotos konnte ein Optik- Experte das Gerät der Hamburger Firma Butenschön zuordnen, die jedoch in den 1960er Jahren geschlossen wurde. Es ist vermutlich eines der größten Fernrohre, welches die namhafte Firma je hergestellt hat.

Dem Besitzer, Herrn Arndt, war jedoch klar, dass die Aufbewahrung im Schuppen keine dauerhafte Lösung für so ein wertvolles Instrument ist. An der Sternwarte Neumünster können es die Neumünsteraner Astronomen nun restaurieren und für Bildungszwecke einsetzen. Besonders die komplexe Mechanik zur Nachführung der Erddrehung ist bei diesem Gerät gut zu erkennen und zeigt, wie präzise diese Geräte auch damals schon gearbeitet wurden.

Sie holten das Fernrohr nach Neumünster: Stefan Bruns, Jürgen Kahlhöfer und Sascha Böse (von links nach rechts).

Ob das Fernrohr jedoch wieder für die Erforschung des Weltalls genutzt wird, ist jedoch noch offen. Unter der Sternwartenkuppel steht bereits ein Hochleistungsfernrohr, das auch für wissenschaftliche Zwecke genutzt werden kann. Aktuelle Überlegungen sehen vor, den Werkstattraum unterhalb der Kuppel zu sanieren und zu einem Ausstellungsraum umzubauen. Dort könnte das historische Fernrohr auch dauerhaft ausgestellt werden.

Da die Sternwarte am Hahnknüll jedoch ehrenamtlich betreut und ausschließlich über Spenden finanziert wird, ist noch unklar, wie lange die Umsetzung der Pläne dauern könnte. Viele Arbeiten wollen die „Sternkieker“ selbst durchführen, aber trotzdem wird Baumaterial wie z.B. Wärmedämmung, Gipskartonplatten und Bauholz gebraucht.

Dennoch ist man optimistisch, da die Astronomen in den vergangenen Jahren bereits ihren Seminarraum und auch die Sternwartenkuppel  mit Unterstützung zahlreicher Neumünsteraner Betriebe aufwändig sanieren konnten.