Nun ist er vorbei: der letzte Venustransit den wir erleben durften.

Anders als im Jahr 2004 waren die Wetteraussichten nicht so ermutigend. Und so beschlossen die Sternkieker sich zu verteilen und damit die Chance das Ereignis zu erleben und auf Chip festzuhalten zu vergrößern.

Viele Standorte wurden erwogen und auch wieder verworfen. Bis zum Schluss wurde überlegt und so mancher entschloss sich kurzfristig. Alles war dabei: von Skagen/DK über Fehmarn bis Rügen…

Als es dann gegen 4:30 am Mittwoch losging waren wir in Dänemark, Strande, Neumünster, Tarbek und Usedom stationiert.

Bernd wollte eigentlich an den heimischen Strand und von dort aus beobachten. Kurzfristig entschied er sich aber dann doch weiter nach Norden zu fahren und so bezog er schließlich kurz vor Kolding/DK sein Beobachtungsquartier.

Hier sein Bericht:

Es ist die Nacht vor dem Transit: Ein Teil der NMS-ler hatte sich nach Osten aufgemacht, die Flensburger Planetariumsaktivisten wollten am Strand von Holnis/Glücksburg beobachten. Nun schob sich auf dem Sattelitenbild von dmi.dk langsam eine Wolkenschicht von SW heran. So schien es mir gegen 1Uhr am sichersten mich von Flensburg Richtung Norden aufzumachen um einen beruhigenden Abstand von dieser Wolkenbank zu haben. Kurz südlich von Kolding sah es dann richtig gut aus. Kleine Wellen plätscherten mir an einem einsamen Strand entgegen, gegen 4 Uhr wurde die Dämmerung aufregend hell. Hinter einigen Kilometern Wasser lag unter der Dämmerung die Landschaft von Fünen, Vordergrund für einen Sonnenaufgang der besonderen Art… Horizontnahe Dunstschichten versprachen einige Minuten filterloses Beobachten und Fotografieren…

Und dann war es soweit, direkt am sichtbaren Horizont schält sich die schon gleißende Sonne aus der Landschaft. Und da ist sie, als sich abenteuerlich verformende schwarze Scheibe, die Venus vor der Sonne… Der obere Sonnenrand zeigt zeitweise grüne Anteile, von einem „Blitz“ würde ich nicht sprechen. Die Sonnenscheibe ist noch nicht ganz da, da wird der obere Teil schon in einer Dunstschicht abgeschwächt. Immer wieder fliegen Vögel durch die Sonne mit dem Punkt.. Im weiteren Verlauf wurde es dann natürlich gleißend hell, Zeit die Filter aufzusetzen.

Welch ein Unterschied zum Transit 2004, eine richtig schöne Fleckenlandschaft findet sich auf der Sonne. Und welch eine Luftruhe: Dies ist ein horizontnaher Transit hatte ich gedacht, alles wird schön wabern und dann ist die Venus auch schon raus… Aber Pustekuchen: Immer schärfer wird das Bild mit dem langsamen Hochklettern der Sonne. Zum Gück hatte ich „einfach so“ noch meinen 9cm Leitrefraktor mitgenommen. Der wurde dann mit dem „hellen“ ND3,8-Filter (Durchlass 1/10^3,8 also etwa 1/7000) ausgestattet. Bei gut 160x mit dem 8mm Ethos zeigt sich ein phantastisch scharfer Rand der Venus, feine Details in den Sonnenflecken machen Vorfreude auf den Austritt der Venus aus der Sonne… Und dann ist es soweit: Immer schmaler wird die Lichtbrücke zwischen Venus und Sonnenrand…es lässt sich zuschauen, wie unser Nachbarplanet auf den Sonnenrand zuschleicht. Und bei der Berührung? – Bis zum letzten Moment ist da eine schmale Lichtbrücke, keinerlei „Tropfeneffekt“ wie in historischen Aufnahmen oder Beschreibungen. Aber das kam auch 2004 schon heraus, nur dass mir die Luftruhe diesmal viel besser vorkommt…

Und dann: Tatsächlich erscheint am Venusrand, der sich nun über den Sonnenrand hinausschiebt die Venusatmosphäre als feine die Kugel nachzeichnende Linie. Zunächst noch als durchgehender Bogen, dann mehr unsymmetrisch als kurzer Teilbogen mehr im Osten der Venuskugel (rechts im umkehrenden Bild). Warum unsymmetrisch ist mir auch nicht klar. Leichter Luftzug bringt das Bild auch mal in Bewegung..(der Refraktor liegt „nur so“ auf einem schräg in den Sand gestellten Stuhl mit Sitzkissen). Aber ich bin mir sicher die durchleuchtete Venusatmosphäre gesehen zu haben, wau!! Sicher half dabei auch der relativ helle ND3,8 (Baader)-Filter.

Schließlich verschwindet langsam die letzte Delle in der Sonnenscheibe, na denn Tschüß bis in 105 Jahren!!! Den 3. Kontakt sah ich bei 6h38m10s, den 4. bei 6h54m55s Sommerzeit.

In Erinnerung bleibt auch der tatsächlich plastisch erscheinende Anblick des Venuspünktschens VOR der Sonne mit ihren Flecken im 20×80 Glas. (Dies aber mit zwei Filtern ND5 = 1/100000 Durchlass)) Irgendwie schaltet der Kopf auf 3D beim zweiäugigen Beobachten…

Fotografiert habe ich v.a. auf 100er Diafilm mit dem 100/1000Mak (Russentonne, ja- von Franz!), bei 1 und später 2m Brennweite. Ein bißchen Spannung ist also noch nach… Resultate im Planetarium Glücksburg und zum Herbst-NAFT…

Nur kurze Zeit nach dem 4. Kontakt kommen übrigens die ersten dichteren Hochwolken über die Sonne, die Fahrt hat sich wohl doch gelohnt. Ja, es war ein phantastischer Morgen, der lange präsent bleiben wird

Bernd Schatzmann

 

Etwas weiter südlich, nämlich am Bülker Leuchtturm bei Kiel, hatte sich eine eindrucksvolle Schar von Begeisterten eingefunden um das Ereignis zu erleben. Sogar Vertreter von Fernsehen, Kieler Nachrichten und Holsteinischem Courier hatten den Weg dorthin gefunden.
Mitten unter den ca. 30 Personen waren die Sternkieker Meltem, Rainer, Jürgen, Renate und Katharina zu finden.

So beschreibt Meltem das Erlebte:

Jetzt war es endlich so weit:

Das Jahrhundertereignis, der letzte Venustransit für uns fand am 06.06.2012 in den frühen Morgenstunden statt. Fünf Sternkieker sind nach Strande gefahren um dieses Ereignis zu beobachten und zu fotografieren. Die ersten waren schon um 0.00 Uhr und 2.00 Uhr in der Nacht vor Ort und haben ihre Geräte eingenordet, damit das Beobachten leichter fällt. Während der Nacht zogen dicke Wolken über den Himmel, so dass zu befürchten war, nichts sehen zu können. Über dem Horizont hielt sich hartnäckig ein Wolkenband, welches sich scheinbar keinen Millimeter bewegen wollte. Ab ca. 3.30 Uhr trudelten immer mehr Astronomen am Bülker Leuchtturm ein, so auch die restlichen Sternkieker, die sich weiter unten am Strand postierten.

Gut 30 Personen waren am Ende vor Ort und auch die Presse und das Fernsehen wollten dieses Ereignis mit uns erleben. Um 4.48 Uhr ging es dann los, die Sonne ging auf.

Zunächst sah man nur, dass der Himmel sich in ein immer dunkler werdendes orange-rot färbte, doch dann kam die Sonne raus. Sie schien die Wolkenschicht einfach weg zu brennen, so dass man gleich zu Anfang einen Blick auf die Venus hatte.

Was für ein Anblick!

Großes Staunen und Begeisterung ging durch die Reihe von Astronomen, ständig begleitet mit dem klicken der Kameraauslöser.

Bis zum Ende konnte von Strande aus der Venustransit beobachtet werden, nur ab und zu nur durch ein paar Schleierwolken bedeckt.

Dann war alles vorbei und für die Astronomen hieß es einpacken, frühstücken, schlafen bzw. zur Arbeit gehen. Es war ein tolles Erlebnis und eine wundervolle Atmosphäre in Strande.

Wir sehen uns in 115 Jahren wieder.
Meltem Tischmann

 

Auch in oder um Neumünster wurde beobachtet:

Martina hatte sich mit Ihrem PST in einem Industriegebiet bei Neumünster postiert

Markus schlug sein Beobachtungslager an der Aussensternwarte in Tarbek auf und hat den Venustransit so gesehen:

Marco und Stefan hatten sich für Skagen oder Rügen vorbereitet und trafen sich dann am Vorabend zu einer letzten Entscheidung:

Wir trafen uns am Dienstag um 22 Uhr um zu besprechen wo die Reise nun hingehen soll. So viele Möglichkeiten, so wenig Gewissheit über das Wetter. So nahmen wir einen Gedanken von Carolin auf, in Richtung Rostock zu fahren und dort den Wetterdienst per Internet zu befragen wo das Wetter am besten wäre. Auf der Fahrt dorthin war der Mond richtig schön und klar zu sehen und machte Hoffnung auf ein gutes Gelingen… Hinter Lübeck, auf einem Parkplatz, wurde Halt gemacht. Während wir auf Uwe Freitag warteten konnten wir per Internet hier den Beginn des Transits verfolgen!

Dann traf Uwe ein und wir entschieden uns für den Ort Zempin auf Usedom. Und los ging die Fahrt währen der Mond ein ständiger Begleiter war. Keine Wolken in Sicht ! Gegen 3:00 waren wir da: Kleine Sackgasse, Anwohner, Ferienhäuser. Im Internet sah das alles etwas größer aus.. Naja, die Bilder in GoogleMaps sind halt nicht unbedingt aktuell….Aber wir kamen an den Strand und hatten herrliche Sicht auf das „Zielgebiet“.

Also brachten wir unser Equipment an die Küste und bauten auf. Und dann begann das warten……….
Am Horizont war eine Wolkenbank auszumachen. Es war aber zu sehen dass dort irgendwo die Sonne war. Lichtschimmer, angeleuchtete Wolken….


Und dazu das Plätschern der Wellen. Das war schon fast kitschig wenn es nicht ein solches Ereignis wäre.
Dann kam die Sonne ! Langsam schob sie sich am Wolkenband vorbei nach oben und wir konnten sie sehen: Die kleine Venusscheibe vor der Sonne ! Fotos gingen noch ohne Filter und das nutzten wir aus. Sonne, Venusscheibe, Sonnenflecken, grüne Strukturen oberhalb der Sonne….

Es war einfach …. Genial.

Später bemerkte Marco dann, dass er sogar eine Spiegelung eines Schiffes mit auf seinen Bildern hatte.


Dann wurde es zu hell und wir mussten die Filter aufsetzen. So verfolgten wir wie die Venus immer weiter lief. Uwe hatte zwischenzeitlich sein Herschelprisma am Refraktor montiert und dort war das Schauspiel eindrucksvoll klar zu sehen. Spannend war auch, dass im Gegensatz zu 2004 einige Sonnenflecken zu sehen waren.

Dann kam die Zeit des 3.Kontakts. Immer weiter lief Venus und kurz vor dem Kontakt war eine Art Lichtbrücke zu sehen sodass der Tropfeneffekt nicht so sichtbar war. Die Venus schob sich immer weiter aus der Sonnenscheibe heraus, und ich hatte den Eindruck, den Lichtring um die Venus zu sehen.

Minuten später war es dann vorbei und die Venus war nicht mehr zu sehen. Aber nur im Weißlicht. Uwe hatte seinen Refraktor auf Ha umgebaut und konnte sie noch länger beobachten. Bis sie auch an der Chromosphäre vorbei war und damit endgültig an der Sonne vorbei.

Das war´s ! Für die nächsten 115 Jahre !

Aber es bleibt das gute Gefühl etwas gesehen zu haben das nicht alltäglich ist.

Und es bleiben die Bilder. Und ich meine nicht die auf dem PC.
Sondern die Erinnerungen an etwas das man mit eigenen Augen sehen durfte.
Stefan Bruns

 

Schätzungsweise 1500 Bilder wurden von den Sternkiekern während des Venustransits aufgenommen.
Hier zu guter Letzt noch eine kleine Auswahl von Bildern die an den verschiedenen Standorten gemacht wurden.