In der Mission der europäischen Raumsonde Rosetta zum Kometen 67P/ Churyumov-Gerasimenko (67P/C-G) steht das letzte überaus kritische Manöver bevor: Am 12. November soll sich die Landeeinheit Philae vom Raumschiff Rosetta lösen und sanft auf dem Kometen landen. Wenn es klappt, wäre es die erste weiche Landung auf einem Kometen in der Geschichte der Raumfahrt. Deutschland ist maßgeblich an der Entwicklung der Sonden und der Kontrolle der Landung beteiligt. Im Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt steigt die Spannung.

Bild 1:  Rosetta mit Philae (das violette Teil in der Mitte),                                   Quelle: ESA

Rosetta hat schon eine lange Reise hinter sich. Im März 2004 auf einer Ariane 5 vom europäischen Raumfahrtzentrum in Kourou gestartet, hat sie inzwischen 5 mal die Sonne umrundet und sich dabei noch 3 mal der Erde und ein mal dem Mars genähert, um im Schwerefeld der Planeten jedes Mal noch mehr Schwung aufzunehmen. Unterwegs hat sie im Vorbeiflug schon die Asteroiden Steins und Lutetia fotografiert. Während eines großen Teils der langen Reise waren die meisten wissenschaftlichen Instrumente der Sonde aber abgeschaltet. Am 20. Januar 2014, noch 9 Millionen Kilometer vom Ziel entfernt, wurden sie aus ihrem „Winterschlaf“ geweckt, und zur großen Erleichterung der Wissenschaftler konnten alle Geräte melden: „Wir sind bereit.“ Am 5. Mai begann der Landeanflug auf den Kometen: Es wurden noch 10 Kurskorrekturen durchgeführt und die Geschwindigkeitsdifferenz der Sonde zum Kometen von 775 m/s auf 1 m/s herab gefahren. Am 6. August, nach mehr als zehnjähriger Reise und 6,4 Milliarden zurückgelegten Kilometern, hat sie ihr Ziel präzise erreicht und ist in eine Umlaufbahn um den Kometen eingeschwenkt. Im Kontrollzentrum knallten die Sektkorken.

Damit konnte die Naherkundung des Kometen 67P/C-G beginnen. Zahlreiche Fotos zeigen Form und Größe des Kometen und die Struktur seiner Oberfläche, wichtige Grundlagen für die Auswahl eines Landeplatzes für die Tochtersonde Philae. Der Komet hat eine größte Ausdehnung von etwa 5 km. Er sieht aus, als wäre er aus zwei großen Klumpen zusammengesetzt worden. Möglicherweise kann aber auch durch Erosion eine Art Taille entstanden sein. Er dreht sich in 12,4 Stunden einmal um sich selbst. Am 15. Sept. wurde die Auswahl des Landeplatzes bekannt gegeben, der relativ eben (Neigungen unter 30°), wenig zerklüftet und ausreichend besonnt sein sollte.

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Bild 2:  Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko,                              Quelle: ESA

Philae soll sich am 12. November um 9.35 Uhr MEZ von Rosetta lösen und aus einem Abstand von 22,5 km langsam zum Kometen absteigen, auf ihm landen und sich mit einer Harpune verankern. Philae hat eine Masse von rund 100 kg, doch bei der sehr geringen Anziehungskraft des Kometen wiegt sie nur knapp 2 g. Der Abstieg soll etwa 7 Stunden dauern. Die Sonden sind zu der Zeit etwa 510 Millionen km von der Erde entfernt. Ein Funksignal braucht für diesen Weg 28 Minuten und 20 Sekunden, viel zu lange, um bei einer Störung noch von der Erde aus einzugreifen. Die Ingenieure müssen sich ganz auf das automatische Landeprogramm verlassen, das am Tag vor der Landung übertragen werden soll. Gegen 17 Uhr wird dann die Meldung, dass die Landung geglückt sei, sehnlichst erwartet.

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Bild 3:  Philae löst sich von Rosetta,                                                    Quelle: ESA

67P/ C-G ist ein kurzperiodischer Komet mit einer Umlaufzeit von 6,56 Jahren. Das Aphel, der sonnenfernste Punkt seiner Bahn liegt mit 5,717 AE außerhalb der Jupiterbahn. Das Perihel (Sonnennähe, 1,289 AE) liegt zwischen den Bahnen von Erde und Mars. Diese Bahn hat er nicht immer gehabt. Früher kam er von weit her vom Rand des Sonnensystems. Durch eine nahe Begegnung mit Jupiter wurde er auf seine jetzige Bahn abgelenkt.

Kometen gelten als Zeugen aus der Frühzeit der Entstehung des Sonnensystems, die noch weitgehend im Originalzustand erhalten sind. Aus der Erforschung der Kometen erhoffen sich die Wissenschaftler Aufschlüsse über die Entstehung des Sonnensystems und die Frühzeit der Erde. Dazu hat Rosetta 11 und Philae 10 wissenschaftliche Instrumente an Bord, u. a. Kameras, verschiedene Spektrometer, ein Rastersondenmikroskop. Philae hat einen Bohrer, um Material aus dem Inneren des Kometen zu entnehmen. Zahlreiche physikalische  und chemische Eigenschaften des Kometenkerns, der Koma und des Schweifs sollen untersucht werden. Die automatischen Analysen geben Aufschluss über Elemente und Isotope, organische Moleküle, Minerale und Eise. Der Betrieb der Sonden soll noch mindestens ein Jahr dauern. In dieser Zeit wird sich der Komet der Sonne nähern, erwärmen, die Coma und den Schweif entwickeln und wieder von der Sonne entfernen, alles unter genauer Beobachtung seiner wissenschaftlichen Begleiter.

Weitere Infos:

http:\\rosetta.esa.int
www.dlr.de/rosetta