Einen Tag nach der geglückten Landung von Philae auf „Tschuri“ haben die Unmengen von Daten ein neues Bild von der Landung und der momentanen Situation der Sonde auf dem Kometen geschaffen.
Hier das erste Bild, das Philae nach seiner Landung gesendet hat:

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Während des Abstiegs hat Rosetta mehrere Bilder gemacht, die zeigen, dass sich die Sonde während des Sinkfluges um die Hochachse gedreht hat.

lander_departure_node_full_image_2 philae-mit-67p

Weitere Bilder zeigen die geplante Landeposition, das letzte aus einer Höhe von nur 40 Metern ! Der Stein rechts oben ist ca. 5 Meter groß.

surface_67p_40m
Aber nun kommt´s:
Philae ist nicht nur 1 mal gelandet, sondern gleich 3 mal!

Nach der ersten Landung gab es einen „Rebounce“, der ca. 2 Stunden dauerte, und einen zweiten, kürzeren von ca. 7 Minuten. Letztendlich landete Philae wohl ca. 1km von der ursprünglichen Landestelle Agilkia entfernt. Bilder der verschiedenen Kameras legen eine Position nahe, in der Philae quasi hochkant in der Nähe einer Wand steht.

lage-philae_2
Grund dafür ist, dass die Kaltgasdüse auf der Oberseite der Sonde nicht funktionierte. Dies war schon bei einer frühen Überprüfung aufgefallen. Die Auswertung der Meßdaten hat nun ergeben, dass auch die beiden Harpunen auf der Unterseite nicht ausgelöst wurden.

Fieberhaft wird jetzt der Ort gesucht, an dem Philae zum Stillstand gekommen ist. Auf diesem Mosaik ist der erste Landeplatz markiert und gibt in etwa das Gebiet wieder, in dem sich die Sonde jetzt befindet. Es gleicht einer Suche nach der bekannten Nähnadel.

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Die neue Position bringt ein paar neue Herausforderungen mit sich:
Zum einen können so einige der Experimente, die mit Bewegungen ausgeführt werden, so nicht gemacht werden, weil jede Bewegung ja eine Gegenbewegung erzeugt und derzeit nicht klar ist, inwieweit dies die Position destabilisiert.
Zum anderen ist die Position stark von der Sonne abgeschirmt, so dass statt der veranschlagten 6-7 Stunden Sonnenlicht nur so um die 90 Min. Sonnenlicht eingefangen werden können.
Außerdem muß die Position von Rosetta geändert werden, um ein maximales Zeitfenster zur Datenübertragung zu erzeugen.
Diese Schattenlage ermöglicht aber auch, einen längeren Zeitraum Daten des Kometen aufzunehmen. Zwar können die Akkus nur kurz pro Tag geladen werden, aber das Landegebiet wird bei der weiteren Annäherung an die Sonne nicht so stark aufgeheizt. Somit kann man hoffen, dass Philae  bei der Annäherung an die Sonne länger durchhält, bevor er wegen Überhitzung versagt.

Derzeit laufen alle Experimente, die „bewegungslos“ stattfinden können. So wurde z.B. der Komet bereits durchleuchtet, d.h. dass Rosetta und Philae gemeinsam mit Funkwellen ein Bild vom Inneren des Kometen gemacht haben.

Die Wissenschaftler arbeiten nun auch verstärkt daran, die Experimente an die neue Situation anzupassen um ein Maximum an Ergebnissen zu bekommen, aber auch wie sie die Position von Philae noch verbessern können.

Bei allen neuen Herausforderungen darf man aber nicht den Kopf hängen lassen und von „Fehlschlag“ reden! Zum allerersten Mal ist ein von Menschenhand geschaffenes Objekt gesteuert auf einem Kometen gelandet, über 500 Mio. Kilometer entfernt, nach einer Reise von mehr als 10 Jahren, und über 6 Milliarden zurückgelegten Kilometern…
Und wie sagte einer der Forscher: „Wir landen ja nicht jeden Tag auf einem Kometen.“