Die hier aufgelisteten Informationen stammen von der „Initiative gegen Lichtverschmutzung“ der VdS-Fachgruppe Dark Sky (vgl.: http://www.lichtverschmutzung.de/)

Lichtverschmutzung durch Neumünster

Blick aus der Kuppel der vhs-Sternwarte in Richtung Neumünster (Januar 2013)

 Was ist Lichtverschmutzung?

Lichtverschmutzung (aus dem engl. Light Pollution) bezeichnet die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Licht in der Atmosphäre gestreut wird.

Es geht also nicht um eine Verschmutzung des Lichtes an sich, sondern natürliches Licht wird durch künstliches verschmutzt. So kann künstliches Licht zum Beispiel den Anblick des Sternhimmels behindern oder sogar unmöglich machen, wie es in Ballungsräumen heute bereits der Fall ist. Häufig ist auch von Lichtsmog die Rede.

(vgl.: http://www.lichtverschmutzung.de/)

Satellitenbild Neumünsters bei Nacht – Foto: NASA
Überall wo Menschen siedeln gibt es auch nächtliche Beleuchtung. Ein erheblicher Teil dieses Lichts strahlt unnütz in den Weltraum und stört Natur, Tierwelt und auch Astronomen.

Warum ist Lichtverschmutzung ein Problem?

– Tagaktive Tiere sowie Menschen brauchen die Dunkelheit zum Schlafen, Entspannen und Regenerieren.

–  Nachtaktive Tiere brauchen sie für die Nahrungssuche und manche (z. B. Glühwürmchen) sogar für die Fortpflanzung.

–  Pflanzen benötigen den Rhythmus für die Photosynthese.

– An vielen Stellen ist nächtliche Beleuchtung nicht sinnvoll und ist daher Energieverschwendung

(vgl.: http://www.lichtverschmutzung.de/)

Der große Orionnebel M 42 – fotografiert an der vhs-Sternwarte Neumünster. Linkes Bild Anfang der 1980er Jahre (Franz Haar); Rechtes Bild fotografiert 2012 (Marco Ludwig).
Das rechte Bild konnte aufgrund des hellen Himmels nicht so lange belichtet werden wie das linke Bild.

 

Warum engagieren sich Astronomen für einen dunklen Nachthimmel?

– Die Betrachtung des Sternhimmels gehört zu den ältesten Kulturgütern der Menschheit.

–  Früher war die Beschäftigung mit dem Sternhimmel notwendig zur Bestimmung der Zeit und zur Erstellung von Kalendern.

– Die Entdeckung neuer Länder und Kontinente wäre ohne Sternkunde nicht möglich gewesen.

– Und heute: Die professionelle Astronomie stellt einen wichtigen Teil der physikalischen Grundlagenforschung dar, da am Himmel Beobachtungen von Vorgängen möglich sind, die wir im Labor nicht nachstellen können. Kommunikation, Navigation und unser Wissen vom Kosmos,  alle diese Dinge  wären letztlich ohne die Astronomie nicht möglich!

– Die Hobbyastronomie bietet für viele junge Menschen einen ersten begeisternden Zugang zu den Naturwissenschaften.

(vgl.: http://www.lichtverschmutzung.de/)

 

Warum ist Lichtverschmutzung in Neumünster ein Problem?

Die vhs-Sternwarte Neumünster existiert seit 1971. Bis in die frühen 1980er Jahre war die vhs-Sternwarte ein bundesweit bekanntes Zentrum für hochwertige Astrofotografie. Eine wichtige Voraussetzung dafür war der dunkle Nachthimmel über Neumünster.

In den letzten 30 Jahren hat zwar die Bevölkerungszahl Neumünsters abgenommen, die Beleuchtung der Stadt dagegen wurde extrem gesteigert. Bilder mit mehr als 3 Minuten Belichtungszeit sind heute nicht mehr möglich. Dieses Bild aus dem Jahr 1976 konnte damals noch 70 Minuten belichtet werden.

Nordamerikanebel NGC 7000: Dieses Bild wurde 1976 an der vhs-Sternwarte aufgenommen. Die Belichtungszeit betrug damals 70 Minuten. Heute sind nicht mehr als 3 Minuten Belichtungszeit möglich.

Der aufgehellte Himmel beeinflusst aber nicht nur die Astrofotografie, denn auch die Beobachtung des Nachthimmels ist inzwischen stark eingeschränkt. Aus der Neumünsteraner Innenstadt sind heute nicht mehr als 100 Sterne zu sehen. Auch die Milchstraße wird vom aufgehellten Himmel überstrahlt. Am Stadtrand bei der vhs-Sternwarte sind in Südrichtung keine Galaxien oder galaktischen Nebel mehr sichtbar. Auch moderne Teleskope können dagegen nichts tun.

Veränderung der Lichtemissionen von 1993 bis 2002:
Gelb bedeutet eine Zunahme des Licht
Rot eine noch stärkere Zunahme.
Lila und Blau bedeuten eine Abnahme.
Kiel und Lübeck emittieren weniger Licht.Neumünster strahlt stärker in den Weltraum.
Foto: VdS Fachgruppe Dark Sky

Woher kommt diese Lichtverschmutzung?

Ungefähr die Hälfte der Lichtverschmutzung entsteht durch die Straßenbeleuchtung. Diese beleuchtet vor allem Straßen und Gehwege, welche leider auch das Licht in den Himmel reflektieren. In ungünstigen Fällen sind von der Straßenbeleuchtung auch Hausfassaden betroffen, weshalb viele Bewohner gezwungen sind, Rollläden zu installieren.

Einen vermeidbaren Beitrag zur Lichtverschmutzung leistet aber auch die Beleuchtung großer Plätze und Industrieanlagen. Als Beispiel dafür möchten wir Gewerbeflächen im Bereich der Altonaer Straße anführen. Das dort verbreitete Licht ist sogar von Boostedt aus sichtbar. Insbesondere Parkplätze werden trotz nächtlich eingeschränkter Nutzung durchgehend beleuchtet.

Weitere Lichtverschmutzung rührt von der nächtlichen Beleuchtung diverser Gebäude her. Dabei werden in der Regel nicht nur die Gebäude, sondern auch der Himmel beleuchtet. Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür in Neumünster ist  die Vicelinkirche am Kleinflecken.

Ein großer Teil der Gebäudebeleuchtung der Vicelinkirche verfehlt ihr Ziel. Die Folge ist eine starke Aufhellung des Nachthimmels.

Diese Gebäudebeleuchtung ist vor allem für touristische Zwecke von Bedeutung und kann durchaus schön aussehen. Moderne Beleuchtungskonzepte sehen jedoch vor, das Licht gezielt auf besondere architektonische Elemente der Bauwerke zu lenken, anstatt großflächig alle Gebäudeflächen zu erhellen. Ein sehr positives Beispiel für moderne und sinnvolle Gebäudebeleuchtung ist die Lichtinstallation „Kelvin“ am Neumünsteraner Wasserturm.

Positivbeispiel Wasserturm: Gezielte Gebäudebeleuchtung vermeidet Lichtverschmutzung und Energieverschwendung. Zudem sieht es einfach gut aus.

Lobend erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang  auch die Anscharkirche an der Christianstraße. Dort wurde die Gebäudebeleuchtung aus ökologischen Gründen ausschließlich auf die Weihnachtszeit reduziert.

Generell wird die Beleuchtung der Innenstadtkirchen jedoch von der Stadt Neumünster finanziert. Daher ist eine Modernisierung der veralteten Beleuchtungsanlagen für die Kirchen selbst mit hohen Kosten verbunden und daher unwirtschaftlich. Ein modernes und energiesparendes Beleuchtungskonzept ähnlich dem Wasserturm wäre im Hinblick auf Ökologie und Tourismus jedoch wünschenswert.

 

Sind astronomische Filter eine Lösung?

Sogenannte Schmalbandfilter für Fernrohroptiken können Effekte der Lichtverschmutzung mindern. Diese Filter sorgen dafür, dass speziell jene Wellenlängenbereiche, in denen Straßenlaternen besonders hell sind, gedämpft werden.

Diese Filter sind aber keine Lösung für das Problem, da sie kein farbreines Bild ermöglichen und oft nur ein Schwarzweißbild des Himmels erlauben. Zudem sind diese Filter sehr teuer. Eine sinnvolle Ausrüstung der vhs-Sternwarte mit verschiedenen Schmalbandfiltern (H-alpha, OIII, UHC, CLS, H-beta) und eine dafür notwendige Astrokamera würden ca. 4000,00 € kosten. Dieses Geld könnte die vhs-Sternwarte und auch der Förderverein nicht aufbringen.

 

Was wir uns wünschen:

Wir, die Astronomen der vhs-Sternwarte Neumünster, wünschen uns, dass die jetzt schon schwierige Lichtsituation am Hahnknüll sich nicht weiter verschlechtert. Deshalb unterbreiten wir folgende Vorschläge:

– Straßen- und Gewerbebeleuchtung in einem Radius von 1,5 km um die Sternwarte mögen bitte langfristig auf sog. „Cut-off-Beleuchtung“ umgestellt werden. Diese Leuchtkörper sind so abgeschirmt, dass eine störende Horizontalabstrahlung von Licht vermieden wird. Das erzeugte Licht kommt genau dort an, wo es gebraucht wird. Solche Leuchtkörper sind heute Standard und verursachen kaum Mehrkosten.

– Wir bitten,  in Neumünster und Umgebung auf Lichtwerbung durch sogenannte „Skybeamer“ (gebündeltes Scheinwerferlicht am Nachthimmel) zu verzichten. Solche Lichtwerbung ist über Entfernungen von mehr als 20 km sichtbar, schränkt astronomische Beobachtungen stark ein und  hat zudem auch sehr negative Auswirkungen auf die Tierwelt.

Wir sind der Auffassung, dass der Nachthimmel allen Menschen gehört und nicht von einzelnen für Werbezwecke missbraucht werden darf.

– In Neumünster werden einige Sehenswürdigkeiten in den Abendstunden beleuchtet. Wir bitten darum, diese Gebäudebeleuchtung, die in hohem Maße zur Lichtverschmutzung beiträgt, ab 21:00 Uhr abzuschalten und nur bei besonderen Anlässen länger zu beleuchten. Eine Beleuchtung bis 23:00 Uhr ist angesichts des verhältnismäßig geringen Nachtlebens in Neumünster übertrieben.  Gerade die Kirchen könnten hier unter dem Aspekt „Energie sparen und Schöpfung bewahren“ eine Vorbildfunktion einnehmen.

– Wir bitten alle Bürger unserer Stadt, auf dauerhafte Nachtbeleuchtung an ihren Häusern zu verzichten. Bewegungsmelder können hier dazu beitragen, Energie zu sparen, das subjektive Sicherheitsempfinden zu gewährleisten und Lichtverschmutzung zu vermeiden.

 

Die politische Situation:

Bisher haben sich nur die CDU und die FDP an der vhs-Sternwarte über Lichtverschmutzung und unsere damit verbundenen Sorgen informiert.

Bei Gesprächen mit anderen Parteien gab es folgende Statements:

– Das subjektive Sicherheitsempfinden der Bürger sei wichtiger als ein dunkler Nachthimmel.

– Die nachts anfallende Grundlast der Kraftwerke würde doch sinnvoll durch Beleuchtung genutzt.

– Ein so unpopuläres Thema könnte Wählerstimmen kosten.

Dazu auch ein Statement der Partei „Die Grünen“ aus Neumünster:

http://gruene-neumuenster.de/fragen-und-antworten/?no_cache=1&expand=398883&displayNon=1&cHash=4810a464b368a4affa1c528aa36edcce

 

Unsere Statements dazu:

– Viele Städte haben ihre Beleuchtung aus finanziellen Gründen bereits reduziert und dabei keinen Anstieg der Verbrechensrate feststellen können. Einbrüche finden  heute nicht mehr nachts, sondern tagsüber statt, wenn die Bewohner bei der Arbeit sind.

– Warum werden Kraftwerksbetreiber heute nicht dazu ermutigt, ihre Grundlast sinnvoll zu speichern (Pumpspeicherkraftwerke), anstatt sie für teilweise unnötige Beleuchtung zu verschwenden?

– Lichtverschmutzung ist ein unpopuläres Thema. Es zeigt aber deutlich, dass die wirtschaftlichen Belange in unserer Gesellschaft immer noch einen deutlich höheren Stellenwert haben als das Ziel, der Natur als Mensch möglichst wenig Schaden zuzufügen.

 

Ihr Team der vhs-Sternwarte Neumünster

 

Auf den folgenden Seiten können Sie sich ausführlich zum Thema informieren:

Leitartikel Lichtverschmutzung

Die Erde bei Nacht

Schutzmaßnahmen der Stadt Neumünster

Projektarbeit: Himmel über Schleswig-Holstein

NDR-Fernsehbeiträge zum Thema Lichtverschmutzung