Die vhs-Sternwarte soll künftig den Himmel über Schleswig-Holstein nach erdnahen Asteroiden durchforsten.

Heidelberg / Neumünster (dpa): In Neumünster wird es bald ziemlich dunkel. Vergangene Woche entschied die Landesregierung in Kiel, dass die Neumünsteraner Sternwarte am Hahnknüll künftig in Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA nach erdnahen Asteroiden suchen soll. Zu diesem Zweck muss der Himmel über der Stadt dunkler werden.

Mit dem Einschlag des Tscheljabinsk-Meteoriten in Russland am 15. Februar 2013 wurde der Menschheit deutlich gemacht, wie gefährlich Geschosse aus dem Weltall sein können. Bei den großen Weltraumorganisationen wie NASA und ESA ging man bis dahin davon aus, dass derart große und gefährliche Asteroiden nur ca. alle 1000 Jahre auf der Erde einschlagen. Die Gefahr scheint jedoch deutlich größer zu sein, und darauf möchte man sich künftig besser vorbereiten. Um eine möglichst lückenlose Überwachung des Himmels über Deutschland zu gewährleisten, wurden insgesamt bundesweit 8 Sternwarten von der ESA gebeten, nach entsprechenden Himmelskörpern Ausschau zu halten. Dabei soll nun auch das Halbmeterteleskop der vhs-Sternwarte Neumünster helfen und die Überwachung im Raum Schleswig-Holstein übernehmen.

Der Himmel über der Stadt ist jedoch noch zu hell; Lichtverschmutzung macht den Astronomen das Leben schwer. Daher entschied die Landesregierung in einem Sondererlass, dass die Neumünsteraner in einem Radius von 1,5 km rund um die Sternwarte ab 21 Uhr kein künstliches Licht mehr emittieren dürfen. Straßen- und Gebäudebeleuchtung sollen zukünftig bei klarem Himmel abgeschaltet werden. Auch den Anwohnern innerhalb der Bannmeile soll es künftig untersagt sein, ihre Eingangstüren, Gärten oder Wege zu beleuchten.

Kometen und Asteroiden kommen der Erde immer wieder gefährlich nahe. Künftig soll ein Frühwarnsystem möglichen Katastrophen vorbeugen.

Um die neue Verdunkelung in der Stadt sicher zu stellen, soll das Neumünsteraner Ordnungsamt künftig eine Lichtpatrouille abstellen, die Lichtsünder verwarnt und die Dunkelheit durchsetzt. Die Sonderregelungen der Bannmeile betreffen besonders den nahe der Sternwarte gelegenen Stadtteil Gartenstadt. Derzeit wird aber wohl auch diskutiert die Lichtschutzzone bei Bedarf bis zur Innenstadt auszuweiten. Der stellvertretende Sternwartenleiter Stefan Bruns  zeigte sich skeptisch, ob die verordnete Verdunkelung wirklich durchzusetzen sei. Andererseits seien sich die Bürger sicherlich der besonderen Bedeutung der Sternwarte für ein funktionierendes Asteroidenfrühwarnsystem bewusst.

ESA-Sprecherin Dr. Carolin Liefke äußerte sich bei einer Pressekonferenz  am Max-Planck Institut für Astrophysik in Heidelberg sichtlich beeindruckt von der Bereitschaft des Landes und der Stadt, sich an der Asteroidensuche zu beteiligen und auch Opfer zu bringen. „Dass irgendwann wieder ein großer Brocken auf der Erde einschlägt, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Nur wenn wir die Geschosse aus dem Weltall frühzeitig identifizieren und Vorkehrungen treffen, hat die Menschheit eine Chance zum Überleben“, so ihr anerkennender Kommentar.

Bitte Veröffentlichungsdatum beachten

(April, April)