Als die vhs-Sternwarte vor über 40 Jahren auf dem Dach des damaligen Seniorenheims am Hahnknüll aufgebaut wurde, war man überzeugt, den perfekten Standort unter dunklem Himmel gefunden zu haben. Die Stadt würde sich sicher nicht bis zur Sternwarte ausdehnen, dachte man damals.

Heute sieht die Welt leider anders aus. Seit Ende der 1970er Jahre bereitet die Helligkeit der Stadt den Astronomen zunehmend Schwierigkeiten. Heute sind ca. 50 % des Himmels am Hahnknüll für Astrofotografie nur sehr eingeschränkt nutzbar. Lediglich am Nord- und Westhimmel kann noch in die Tiefen des Universums hinein beobachtet werden.

Nun ist jedoch geplant, ca. 900 Meter nördlich der Sternwarte ein großes Industriegebiet auszuweisen. Möglicherweise siedelt sich dort ein großes Logistikunternehmen an, welches rund um die Uhr arbeiten würde. Das bedeutet: Mehr Straßenbeleuchtung, beleuchtete Parkplätze, beleuchtete Werbeflächen in Sichtweite der Sternwarte.

Nachdem in den vergangenen Jahren Spenden im Wert von mehreren 10 000 € zur Modernisierung der vhs-Sternwarte geflossen sind, ist das ein herber Rückschlag. Nun scheint auch der nördliche Sternenhimmel verloren, und die Zukunft der Sternwarte muss in Frage gestellt werden.

Nach einem offenen Brief an die Stadt kam es kürzlich zu einem Treffen mit Vertretern von Bauamt, Stadtverwaltung und Wirtschaftsagentur. Um Rücksicht auf die Arbeitsfähigkeit der Warte zu nehmen, wird nun überlegt, im neuen Industriegebiet vollständig auf sogenannte „Cut-off-Leuchtkörper“ zu setzen. Damit könnte übermäßige Lichtverschmutzung eingedämmt, und ein Blenden der Sternwarte vermieden werden.

Auch wird nun geprüft, inwieweit die Gestaltung von beleuchteter Werbung an den Gebäuden „sternwartenfreundlich“ vorgenommen werden kann. Scheinwerfer, die in den Himmel  strahlen, sollten möglichst vermieden werden.

Diese ersten Gespräche bieten Grund zur Hoffnung. Letztlich ist aber die Politik gefragt, diese Pläne auch zu bewilligen. Es ist nicht übertrieben, dass die Zukunft der vhs-Sternwarte von diesen Entscheidungen abhängt.

So oder so: Der Himmel an der Sternwarte wird durch das Industriegebiet deutlich aufgehellt. Wir hoffen dennoch, die Warte als Beobachtungsstandort erhalten zu können.

Lesen Sie dazu auch unseren Leitartikel zum Thema:

Lichtverschmutzung über Neumünster