Wer des Nachts einmal die unendlichen Weiten des Universums genießen möchte, muss sich auch zwangsläufig mit einem Problem auseinander setzen: Wo finde ich eigentlich noch dunklen Himmel?

Gerade ältere Menschen berichten an der Sternwarte gerne davon, wie wunderbar und eindrucksvoll der Sternenhimmel doch früher in Schleswig-Holstein aussah. Inzwischen scheinen die Sterne zunehmend zu verschwinden, lediglich auf dem Lande außerhalb der Städte scheint der Sternenhimmel noch halbwegs in Ordnung zu sein.

Schleswig-Holstein und Hamburg bei Nacht: Auf dem Bild des NASA-Satelliten Suomi werden nicht nur kleinste Siedlungen sondern auch Schiffe sichtbar

Warum man immer weniger Sterne sieht, ist schnell erklärt: Wo Menschen siedeln, muss es auch nachts Licht geben. Straßenlaternen, Haustür- und Gartenbeleuchtung sorgen die ganze Nacht, oft auch ohne Notwendigkeit, für einen hellen Schein in unserer Umgebung. Das Ende der dunklen Nacht hat aber noch mehr Gründe: beleuchtete Werbeflächen, Skybeamer, beleuchtete Sehenswürdigkeiten, Industrieanlagen und auch Großparkplätze werfen ihr helles Licht nicht nur auf den Boden, sondern sehr häufig auch nach oben.

Hin und wieder bekamen Astronomen die Möglichkeit, nächtliche Fotografien von Militärsatelliten auszuwerten, um nach dunklem Himmel zu suchen. Nun hat die NASA endlich einen zivilen Satelliten mit einer Art Super-Kamera zu Erdbeobachtung bei Nacht ausgestattet. Der Satellit Suomi liefert jetzt Aufnahmen in bisher ungeahnter Auflösung und Qualität. Zu erkennen sind nicht nur die Ausdehnung von Siedlungen und Industrie, sondern auch Vulkanausbrüche, Waldbrände oder Schiffe auf dem Ozean.

Auch Schleswig-Holstein und Hamburg sind von Sumoi überflogen und fotografiert worden. Dabei dominiert der nächtliche Schein Hamburgs die ganze Region. Aber auch Lübeck, Kiel, Neumünster und Flensburg sind auf der Karte nicht zu übersehen. Bei genauerer Betrachtung sind neben den Inseln auch zahlreiche kleinere Siedlungen, sogar Schiffe auf Nord- und Ostsee von der Hochleistungskamera erfasst worden und selbst die Autobahn 7 und der Nord-Ostsee Kanal sind bei Nacht vom Weltraum aus zu sehen.

Für die Astronomen unseres Landes bestätigt sich nun, was sie schon lange vermuteten: In Schleswig-Holstein wird es nachts nirgendwo mehr richtig dunkel. Anderen Bundesländern geht es da kaum besser. Lediglich in Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch Regionen, die fast ohne Lichtverschmutzung den ungestörten Blick auf den Sternenhimmel zulassen.

Satellitenbild Neumünsters bei Nacht – Foto: NASA
Überall wo Menschen siedeln gibt es auch nächtliche Beleuchtung. Ein erheblicher Teil dieses Lichts strahlt unnütz in den Weltraum und stört Natur, Tierwelt und auch Astronomen.

Doch selbst, wenn wir Menschen uns entscheiden sollten, des Nachts öfter mal das Licht abzuschalten, zu dimmen oder gar von Bewegungsmeldern steuern zu lassen, so wird sich Lichtverschmutzung nicht ganz vermeiden lassen. Ein irgendwie beleuchteter Boden reflektiert das Licht automatisch auch gen Himmel. Ein gutes Beispiel für dieses Reflektionsverhalten ist der Mond, denn auch er reflektiert ja nur das Licht der Sonne.

Die Initiative der Vereinigung der Sternfreunde gegen Lichtverschmutzung stellt auf ihrer Homepage zahlreiche Hintergrundinformationen zum nächtlichen Beleuchtungswahn zur Verfügung. So mindert der aufgehellte Nachthimmel nicht nur den Blick auf die Sterne, sondern beeinträchtigt vor allem auch  die Tier- und Pflanzenwelt. Naturschutzverbände schätzen, dass allein in Deutschland jede Nacht Milliarden Insekten den Leuchtkörpern zum Opfer fallen. Außerdem werden erwiesenermaßen Fledermäuse oder Zugvögel stark irritiert.

Zunehmend befassen sich auch Forscher mit dieser  Thematik. Schon jetzt lässt sich sagen, dass auch der Mensch die Dunkelheit unbedingt zur Erholung braucht, denn sein Melatoninspiegel steuert die Schlaftiefe. Da erscheint es verständlich, dass immer mehr Menschen ihr Heim mit Jalousien und Rollläden ausstatten, damit die Laternen nicht mehr ins Schlafzimmer leuchten.

Auch verschiedene Bundesministerien haben inzwischen erkannt, dass im Bereich der Lichttechnik noch viel Einsparpotenzial steckt. So wurden bereits verschiedene Förderprogramme aufgelegt, welche beispielsweise zur Entwicklung von Steuerungssoftware für bedarfsgerechte LED-Beleuchtung führen sollen. Aber auch die Auswirkungen der nächtlichen Beleuchtung auf den Menschen sollen stärker erforscht werden.

Veränderung der Lichtemissionen von 1993 bis 2002:
Gelb bedeutet eine Zunahme des Licht
Rot eine noch stärkere Zunahme.
Lila und Blau bedeuten eine Abnahme.
Kiel und Lübeck emittieren weniger Licht.Neumünster strahlt stärker in den Weltraum.
Foto: VdS Fachgruppe Dark Sky

Wenn man die von der Vereinigung der Sternfreunde zur Verfügung gestellten Daten auswertet, stellt man fest, dass die Lichtverschmutzung weltweit und auch in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen hat. Manche sehen die Verdrängung der Nacht sogar als gesellschaftliche Errungenschaft. Ob diese Entwicklung aufzuhalten oder gar umzukehren ist, bleibt fraglich, wäre aber nach wie vor sehr wünschenswert.

 

Die Erde bei Nacht – Karte von NASA und Google

Lichtverschmutzung in Neumünster: www-sternwarte-nms.de

Buchtipp: Das Ende der Nacht – Die globale Lichtverschmutzung und ihre Folgen,  von Thomas Posch, Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann (11. November 2009)

Initiative gegen Lichtverschmutzung: http://www.lichtverschmutzung.de/