Industriegebiet-Nord: Auf Astronomen soll Rücksicht genommen werden

Ein neues Industriegebiet in Sichtweite der Sternwarte: Diese Hiobsbotschaft erreichte die Astronomen der vhs-Sternwarte Ende des vergangenen Jahres. Nach jahrelanger Modernisierung war nun auf einmal die Zukunft der größten Sternwarte Schleswig-Holsteins bedroht, denn das geplante Industriegebiet würde den bisher dunklen Himmel nördlich der Warte dauerhaft in helles  Scheinwerferlicht tauchen.

Blick aus der Sternwartenkuppel Richtung Süden: So ähnlich könnte bald auch der Himmel im Norden der Warte aussehen, wenn bei der Planung des Industriegebietes nicht an die Sternwarte gedacht würde..

Die „Sternkieker“ wandten sich unverzüglich mit einem  Schreiben sowohl an die Stadtverwaltung als auch an die Politik. In dem Schreiben wurde die Wichtigkeit des dunklen Himmels am Hahnknüll betont, und auch Vorschläge zur Minderung der zu erwartenden Lichtflut unterbreitet.

Schnell meldeten sich daraufhin Vertreter der Stadtverwaltung bei der Sternwarte und luden zu einem Abstimmungsgespräch. An diesem Gespräch nahmen Vertreter der Stadtverwaltung, Stadtplanung, Wirtschaftsagentur und vhs-Sternwarte teil. Es zeigte sich, dass die Vorschläge der Sternwarte für die Stadt durchaus umsetzbar wären. Man einigte sich auf einen gemeinsamen Maßnahmenkatalog, der frühzeitig in die Planung einfließen sollte.

Bei den angedachten Maßnahmen geht es vor allem um eine sehr defensive nächtliche Beleuchtung des Gebietes. Mit sog. „Cut-off-Leuchtkörpern“ soll erreicht werden, dass das benötigte Licht ausschließlich gen Boden gerichtet ist und nicht unnötigerweise den Himmel erleuchtet. Ähnliches soll für Werbeanlagen gelten.

Die Ratsversammlung der Stadt Neumünster hat nun am 23. April 2013 beraten und der Änderung des Flächennutzungsplans zugestimmt. Diese Änderung beinhaltet auch die vorgeschlagenen Maßnahmen zum Schutz des Nachthimmels am Hahnknüll.

Auszug aus der Ratsvorlage zur Änderung des Flächennutzungsplanes

Die Zustimmung der Ratsversammlung ist für die Astronomen ein großer Erfolg und hat auch überregional Signalwirkung. Die Stadt signalisiert damit aber auch, dass ihr die Bildungsarbeit an der vhs-Sternwarte wichtig ist und auch langfristig weiterbetrieben werden soll. Wichtig ist nun jedoch, dass die neu im Industriegebiet-Nord siedelnden Betriebe die Vorgaben der Stadt umsetzen, und nur so viel Licht wie unbedingt nötig installiert wird.

Eine Verschlechterung des Sternenhimmels am Hahnknüll wird zwar trotz der Maßnahmen nicht zu verhindern sein , die Regelungen werden es der vhs-Sternwarte jedoch ermöglichen, auch künftig als Beobachtungsstandort für beeindruckende astronomische Ereignisse dienen zu können.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen Beteiligten für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken.

 

Bericht des Holsteinischen Couriers zum Thema 

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