Ein kosmisches Schattenspiel erwartet uns am Abend des 27. Juli, denn der Mond durchläuft direkt nach Sonnenuntergang den Schatten der Erde und färbt sich für rund zwei Stunden blutrot. Es handelt sich dabei um die längste totale Mondfinsternis im 21. Jahrhundert. Blutmond wird so eine totale Mondfinsternis im Volksmund genannt. Die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts ist eine ideale Gelegenheit für Nachtschwärmer mal wieder einen Blick gen Himmel zu werfen.

Eine Bildmontage der drei wichtigsten Phasen einer Mondfinsternis. Im Zentrum die totale Phase. Rechts und links der Vollmond während der partiellen Verfinsterung. Man erkennt bei dieser Darstellung sogar die Größe des Erdschattens. Fotograf: Marco Ludwig

Was ist der „Blutmond“?

Von einem Blutmond spricht man immer dann, wenn der Vollmond komplett im Schatten der Erde verschwindet. Der Mond wird dann nicht mehr von der Sonne beleuchtet und bekommt nur ein wenig Licht, welches von der Erdatmosphäre auf die Mondoberfläche gestreut wird. Dieses Phänomen kennen wir vom Sonnenauf- bzw. untergang. Wenn das Sonnenlicht flach in die Atmosphäre einfällt werden die Blauanteile herausgefiltert und rötliches Licht bleibt über.

 

Mondfinsternis – ein seltenes Himmelsschauspiel?

Der Blutmond bei der totalen Mondfinsternis am 28. September 2015. Die Erdatmosphäre streut nur wenig rötliches Licht in den Schatten der Erde, was die kupferrote Färbung des Vollmondes hervorruft. Fotograf: Marco Ludwig

Mondfinsternisse sind immer wieder eindrucksvolle Naturschauspiele, die Millionen Beobachter in ihren Bann ziehen. Tatsächlich gibt es sie aber häufiger, als man denkt. Durchschnittlich kommt es alle halbe Jahre zu einem Kontakt mit dem Erdschatten. Meist wird der Mond aber nur teilweise verfinstert, was dann als partielle Mondfinsternis bezeichnet wird. Oftmals können wir den verfinsterten Mond überhaupt nicht sehen, da er noch nicht auf- bzw. schon wieder untergegangen ist, wenn die Finsternis stattfindet. Und dann gibt es ja auch noch die Möglichkeit des schlechten Wetters, welches den Blick auf den Sternenhimmel verhindert. Den letzten Blutmond konnte man über Deutschland im September 2015 beobachten.

 

Wie kann ich die Mondfinsternis am besten beobachten?

Für eine Beobachtung dieser Mondfinsternis ist aber nicht nur ein glückliches Händchen mit dem Wetter wichtig. Wenn der Mond gegen 21:19 Uhr über Schleswig-Holstein aufgeht ist er bereits teilweise verfinstert. Man benötigt also einen freien Blick zum Horizont, um den kaum noch beleuchteten Erdbegleiter zu erkennen. Zudem geht die Sonne erst um 21:27 Uhr unter, was uns einen hellen Himmel und damit noch schwierigere Beobachtungsbedingungen beschert. Gegen 21:29 Uhr beginnt dann schon die totale Phase, bei welcher der Mond kein direktes Sonnenlicht mehr abbekommt und eigentlich nur noch blutrot zu sehen ist. Im Norden Deutschlands müssen wir jedoch noch warten bis die Abenddämmerung vorbei ist, um diese Phase optimal beobachten zu können.

Ein teilweise verfinsterter Mond geht am Horizont auf. Fotograf: Stefan Bruns

Gegen 22:21 Uhr befindet sich der Mond fast im Zentrum des Erdschattens. Auch die Abenddämmerung sollte zu der Zeit nicht mehr so sehr stören. Die Blutmondphase dauert nun noch bis 23:13 Uhr. Nach 103 Minuten im Kernschatten taucht der Mond wieder auf und wird von Minute zu Minute heller. Um 00:19 Uhr endet die partielle Verfinsterung und der Vollmond scheint wieder hell und rund. Der nächste Blutmond soll dann in den Morgenstunden des 21. Januar stattfinden – sofern der Himmel klar ist.

 

Gibt es noch mehr zu sehen?

Ungefähr eine Handbreit unterhalb des Mondes findet man am 27. Juli auch den Planeten Mars. Der Wüstenplanet steht momentan in Opposition zur Sonne, d.h. er steht der Sonne gegenüber und ist der Erde momentan besonders nah und deshalb auch sehr hell. Mit seiner orangeroten Färbung ist er mit bloßem Auge gut zu erkennen. Mit einem Fernrohr ist es sogar möglich Details auf der Marsoberfläche zu erkennen.

Der Wüstenplanet Mars im Fernrohr. Fotograf: Markus Bruhn

Außerdem gibt es um 22:34 Uhr auch noch die Möglichkeit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst zu winken. Die Internationale Raumstation zieht zu der Zeit über Deutschland und bewegt sich als lautloser und heller Leuchtpunkt von Westen in Richtung Süden.

 

Angebot der vhs-Sternwarte Neumünster:

Das ehrenamtliche Team der vhs-Sternwarte Neumünster öffnet die Sternwartenkuppel am 27. Juli ab 21:30 Uhr für Besucher. Der Eintritt ist frei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Sollte der Andrang zu groß sein werden auch mobile Teleskope auf dem Gelände der DRK-Fachklinik Hahnknüll aufgestellt.

 

Die wichtigsten Daten im Überblick:

Mondfinsternis vom 27. Juli 2018

20:24 Uhr:           Eintritt des Mondes in den Kernschatten (unbeobachtbar)

21:19 Uhr:           Mondaufgang in Schleswig-Holstein

21:27 Uhr:           Sonnenuntergang

21:29 Uhr:           Beginn der totalen Phase (Blutmond)

22:21 Uhr:           Mitte der Finsternis

22:34 Uhr:           Überflug der Raumstation ISS

23:13 Uhr:           Ende der totalen Phase

00:19 Uhr:           Ende der partiellen Phase

 

Bildergalerie Mond- und Sonnenfinsternisse von Neumünsteraner Fotografen:

Die Sonnenfinsternis am 21. August in den USA:

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Ein seltenes Himmelsschauspiel bietet sich Nachtschwärmern dieser Tage beim Blick zum nördlichen Sternenhimmel. Leuchtende Nachtwolken bilden zauberhafte Schleier am Horizont, die es zu dieser Jahreszeit speziell in Norddeutschland zu bestaunen gibt.

Während normale Wolken nur bis in Höhen von ca. 8-12 Kilometern steigen, befinden sich leuchtende Nachtwolken in Höhen von rund 83 Kilometern, an der Grenze zum Weltraum. Wenn sich solche Wolken über Skandinavien bilden, werden sie auch nachts noch von der Sonne angeleuchtet und können sogar in Norddeutschland gut beobachtet werden.

leuchtende Nachtwolken an der Schlei

Die Ursache für dieses Wolkenphänomen ist übrigens noch weitgehend ungeklärt. Erstmals beobachtet wurden sie 2 Jahre nach dem Ausbruch des Vulkans Krakatau im Jahr 1885. Allerdings wurden die leuchtenden Nachtwolken seither dauerhaft gesichtet, weshalb man inzwischen auch den Meteoritenbeschuss aus dem Weltall für ihre Bildung verantwortlich macht. Meteore, die wir auch Sternschnuppen nennen, verglühen meist in Höhen zwischen 100 und 80 km über der Erdoberfläche. Der dabei zurückgelassene Staub könnte als Kristallisationskern für die Wolkenbildung in so großer Höhe dienen.

Am besten lassen sich leuchtende Nachtwolken in der späten Dämmerung nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang beobachten. Sichtungen werden noch bis in den August erwartet – sofern das Wetter in den unteren Atmosphärenschichten auch mitspielt und den Blick Richtung Norden freigibt.

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Unendliche Weiten – so heißt es in einer bekannten Science-Fiction Serie. Und tatsächlich können wir auf unserem aktuellen Astronomiefoto des Monats die unendlichen Weiten unseres Universums ein wenig erahnen. Allein das Licht des Sterns „Deneb“ auf diesem Bild war rund 2000 Jahre zu uns unterwegs.

Auf dem Foto erkennt man aber auch sehr deutlich einen rötlichen Nebel, der bei Astronomen unter der Katalognummer NGC 7000 geführt wird. Viele Sternengucker fühlen sich bei der Form des Nebels an die Landkarte eines großen Kontinents unseres Heimatplaneten erinnert. Aus diesem Grund trägt dieser Gasnebel auch den Namen „Nordamerikanebel“.

Sowohl Deneb als auch der Nordamerikanebel sind über 2000 Lichtjahre von uns entfernt. Das bedeutet, dass das Licht über 2000 Jahre durch das Weltall gereist ist, bevor unsere Augen bzw. unsere Kamera es verwerten konnten. Dieses Licht entstand also vermutlich zu einer Zeit, als Jesus über das Wasser ging. Somit werfen wir beim Betrachten des Sternenhimmels auch immer einen Blick in die Vergangenheit, denn heute dürfte der Nordamerikanebel wohl schon eine andere Form haben.

Der Blick in die Vergangenheit ist für Astronomen allerdings nicht ungewöhnlich. So braucht z.B. das Mondlicht rund 1,3 Sekunden bis zu Erde. Das Licht der Sonne benötigt schon rund 8,3 Minuten, und wenn wir den riesigen Gasplaneten Jupiter im Fernrohr anschauen, ist das Licht manchmal schon länger als eine halbe Stunde zu uns unterwegs. Für solche Distanzen im Weltraum benötigen Raumsonden mehrere Jahre.

Den nächsten Stern können erfahrene Sterngucker am Sternenhimmel auf der Südhalbkugel der Erde erblicken. Im Sternbild Zentaurus findet man das ca. 4,2 Lichtjahre entfernte Sternensystem Alpha Centauri. Würden wir mit heutiger Raumschifftechnologie eine Reise dorthin antreten wollen, müssten wir mehrere Zehntausend Jahre Flugzeit dafür einplanen.

Sowohl der Nordamerikanebel als auch Deneb sind also nach unserer Vorstellung unendlich weit entfernt. Und doch kann uns ihr Licht einiges über diese Objekte verraten. So ist Deneb ein unglaublich heller Stern. Stünde er in nur 25 Lichtjahren Entfernung, wie z.B. unser Nachbarstern Wega, wäre er so hell wie der Mond.

Der Nordamerikanebel kann von geübten Beobachtern bei dunklem Himmel sogar mit dem Fernglas beobachtet werden. Da das menschliche Auge die rötliche Färbung des Wasserstoffs im Nebel nicht wahrnehmen kann, erscheint NGC 7000 nur als grauer Schleier. Erst auf dem Foto entfaltet er seine ganze Farbenpracht.

 

Text und Bild: Marco Ludwig, Leiter der vhs-Sternwarte Neumünster

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In diesem Monat präsentieren wir ein romantisches Foto von unserem Astrofotografen Heiko Albrecht. Es zeigt die schmale Mondsichel neben dem hellen Planeten Venus in der Abenddämmerung. Schon vor tausenden von Jahren waren die Menschen wohl von diesem Anblick fasziniert. Vielleicht hat man unseren Nachbarplaneten deshalb nach der römischen Göttin der Liebe und Schönheit benannt. Was sich tatsächlich hinter dem schönen Schein verbirgt, konnte jedoch erst vor wenigen Jahrzehnten geklärt werden.

Noch in den 1950er Jahren glaubte man, bei der Venus handele es sich um eine zweite Erde. Tatsächlich ist sie mit rund 12 100 km Durchmesser fast so groß wie unser Heimatplanet (ca. 12 800km). Schon von der Erde aus ist zu erkennen, dass sie von einer dichten Wolkenhülle umgeben ist. So vermuteten Forscher über Jahrhunderte, die Venus gleiche der Urerde vor mehreren Millionen Jahren. Es gab sogar Theorien über Urwälder und Dinosaurier, die man auf der Venus finden könne. Für die Suche nach außerirdischem Leben schien die Venus lange Zeit viel interessanter als der Mars zu sein.

Mitte der 1950er Jahre ergaben Radiomessungen jedoch eine Oberflächentemperatur von rund 450°C. Da sich unser Nachbarplanet näher an der Sonne befindet, hatte man durchaus mit höheren Temperaturen gerechnet, aber nicht mit einer Hitze, bei der sogar Blei schmilzt. Es brauchte jedoch erst das Raumfahrzeitalter, um die vielen Spekulationen rund um den vermeintlichen Zwilling der Erde zu beenden.

Vor allem die sowjetischen Venera-Raumsonden (Wenera = russisch für „Venus“) schafften es, sowohl weich zu landen, als auch erste Bilder der Oberfläche zur Erde zu senden. Dabei wurde schnell deutlich, dass die Venus alles andere als ein Zwilling der Erde ist. Bei Temperaturen von bis zu 475°C und einem Druck von rund 90 bar versagten alle Raumsonden nach wenigen Minuten. Die Sonden konnten jedoch feststellen, dass die Atmosphäre der Venus einen Kohlendioxidanteil von über 96 % aufwies. Auf der Erde sorgt schon ein Kohlendioxidanteil von 0,04 % für einen klimaverändernden Treibhauseffekt. Der Treibhauseffekt auf der Venus hat zur Folge, dass es trotz großer Mengen Wassers in der Atmosphäre niemals regnet.

Außerdem ergaben die Messdaten der Raumsonden, dass ein Tag auf der Venus rund 243 Erdtage dauert. Für eine Umkreisung der Sonne benötigt die Venus aber nur 224 Erdtage, weshalb der Venustag tatsächlich länger ist als das Venusjahr.  Außerdem rotiert die Venus, anders als alle anderen Planeten, mit dem Uhrzeigersinn.

Obwohl die Venus von der Erde betrachtet eine wahre Schönheit darstellt, hat sich beim genaueren Hinsehen das exakte Gegenteil erwiesen. Unser Nachbarplanet ist leider kein Zwilling der Erde, und Leben ist dort noch weniger möglich als auf dem kalten Wüstenplaneten Mars. Wenn uns die Venus in den kommenden Wochen am westlichen Abendhimmel erscheint, erinnert sie uns vielleicht daran, welch seltener und wertvoller Hort des Lebens unsere Erde ist.

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Den Förderverein Sternwarte Neumünster gibt es schon seit 9 Jahren. Nun wurde er auch offiziell ins Vereinsregister eingetragen. Aber was macht dieser Verein eigentlich?

In den Augen vieler Neumünsteraner ist die vhs-Sternwarte selbst ein Verein. Tatsächlich gehört sie aber, wie der Name schon verrät, zur Volkshochschule Neumünster. Die vhs ist für die Verwaltung und den Betrieb der größten Sternwarte in Schleswig-Holstein verantwortlich. Betreut wird das Observatorium aber ehrenamtlich durch die Mitglieder des vhs-Kurses „Sternkieker – Astronomie-AG“.

Problematisch ist jedoch seit jeher die Finanzierung der Einrichtung, da sie keine öffentlichen Gelder erhält. Aus diesem Grund wurde 2009 ein gemeinnütziger Förderverein gegründet, der den enormen Investitionsstau an der vhs-Sternwarte langfristig beheben könnte.

Tatsächlich war es dem Förderverein mithilfe vieler engagierter Firmen und einiger großzügiger Spenden möglich, eine Modernisierung der Beobachtungstechnik und der Räumlichkeiten vorzunehmen. In den vergangenen Jahren entwickelte sich die vhs-Sternwarte zu einer überregional bekannten Besucherattraktion.

Die Modernisierungspläne sind aber noch längst nicht abgeschlossen. Für die Sternkieker gibt es bis zum 50. Sternwartenjubiläum im November 2021 noch viel zu tun. Unter anderem soll eine neue Fernrohrwerkstatt entstehen und der Vorraum besucherfreundlich renoviert werden.

Mit der Eintragung in das Vereinsregister hoffen die Neumünsteraner Astronomen auf bessere Möglichkeiten, an öffentliche Fördermittel zu gelangen. Mit rund 40 Vereinsmitgliedern ist die Zukunft der vhs-Sternwarte zwar gesichert, aber die Verwirklichung der angestrebten Ausbaupläne schwierig. Material- und Geldspenden sind auch weiterhin herzlich willkommen um die großen und kleinen Neumünsteraner nach den Sternen greifen zu lassen.

Der Vorstand des Fördervereins der vhs-Sternwarte Neumünster vor ihrem Hauptteleskop. V.l.n.r.: Jürgen Kahlhöfer, Stefan Bruns, Meltem Tischmann, Marco Ludwig

 

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  • 6. Juli 2018Astronomie-AG Semester 2/2017
    19:00, AG
  • 16. Juli 2018 – Besuchergruppe Kinderbetreuung Einfeld
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  • 27. Juli 2018Mondfninsternis
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Röntgenstrahlung der Sonne: Status der Röntgenstrahlung

Status des Erdmagnetfeldes: Status des Erdmagnetfeldes
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