von Marco A. Ludwig
Der Komet C/2026 A1 (MAPS), der am 13. Januar 2026 vom AMACS1-Observatorium in der Atacama-Wüste entdeckt wurde, könnte zu Ostern ein beeindruckendes Himmelsschauspiel bieten. Am 4. April 2026 wird er nur 162.000 Kilometer von der Sonnenoberfläche entfernt sein, was ihn zu einem „Sonnenstreifer-Kometen“ (engl. Sungrazer) macht. In dieser Nähe wird die Temperatur seines Kerns auf Temperaturen von mehreren Tausend Grad steigen, was möglicherweise zu seinem Zerfall führen könnte. Sollte der Komet jedoch stabil bleiben, könnte er einen hellen Kometenschweif bilden und sich möglicherweise sogar am Tageshimmel neben der Sonne zeigen.
C/2026 A1 gehört zur Kreutz-Gruppe, die auf einen eisigen Himmelskörper zurückgeht, der bei einer engen Passage zur Sonne zerbrach. Diese Kometen umrunden die Sonne auf ähnlichen, extrem langgestreckten Bahnen. Heinrich Kreutz bemerkte bereits 1888 diese Zusammenhänge.
Der aktuelle Komet hat einen geschätzten Durchmesser von etwa 400 Metern und wurde mit einem 0,28 m Schmidt-Teleskop entdeckt. Zum Zeitpunkt seiner Entdeckung hatte er eine Helligkeit von 17,8 mag.

Komet C/2020 F3 NEOWISE am 13.7.2020 auf dem Turm der Vicelinkirche aufgenommen – Fotografen: Marco Ludwig und Katharina Behrendt
Bis Ende März wird die Sichtbarkeit von C/2026 A1 von der Südhalbkugel aus besser sein, da er dort höher am Himmel steht. Am 30. März wird er den Himmelsäquator überqueren, und am 4. April wird er seine größte Annäherung an die Sonne erreichen. Mit einer Geschwindigkeit von mehreren 100 000km/h wird er dann um die Sonne herumfliegen. Dann wird sich zeigen, ob der Kometenkern die enorme Beschleunigung und die Hitze in direkter Sonnennähe übersteht. Jeder Beobachtungsversuch in Sonnennähe sollte jedoch mit größter Vorsicht erfolgen: Ein direkter Blick auf die Sonne kann gefährlich sein und irreparable Augenschäden verursachen. Daher sind geeignete Sonnenschutzmaßnahmen unerlässlich. Auch nach dem Sonnenuntergang könnte der Komet einen spektakulären Anblick liefern. In direkter Nähe zur Sonne könnte er einen riesigen Kometenschweif ausbilden, der dann am Abendhimmel sichtbar wäre. Ähnlich erging es im Jahr 2007 dem Kometen C/2006 P1 (McNaught), der jedoch nur von der Südhalbkugel aus zu sehen war.
Dieses Himmelsereignis könnte ein faszinierendes Schauspiel bieten, dessen genaue Helligkeit jedoch vom Überleben des Kometen in der Nähe der Sonne abhängt. In den meisten Fällen überstehen „Sungrazer“-Kometen den Vorbeiflug an der Sonne nicht. Im Jahr 2013 wurde beispielsweise der Komet C/2012 S1 (ISON) als beeindruckender Komet angekündigt. Er löste sich jedoch während seiner Sonnenpassage komplett auf.
Quellen:
Spektrum Verlag: Ein Himmelsspektakel zu Ostern?
Bildergalerie zum Kometen NEOWISE im Jahr 2020:
Bildergalerie „Kometen“ der vhs-Sternwarte Neumünster: