Von Sternwartenleiter Marco A. Ludwig
Die „Geminiden“ sorgen Mitte Dezember für ein schönes Sternschnuppenschauspiel. Mit bis zu 150 Meteoren pro Stunde gelten die Geminiden als intensivster Meteorstrom des Jahres. Der Höhepunkt der Aktivität wird in der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember erreicht.

Die Sternschnuppen der Geminiden scheinen dem Sternbild Zwillinge zu entspringen. Ihr Ausstrahlungspunkt wird „Radiant“ genannt – zu sehen sind sie aber in weiten Teilen des Nachthimmels. Grafik: VdS
Das Maximum der Geminiden findet in diesem Jahr an eine Wochenende statt: In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember soll der Höhepunkt erreicht werden. Für Beobachter in Mitteleuropa bieten sich daher besonders die Nächte von Freitag bis Sonntag an. Das dritte Adventswochenende ermöglicht theoretisch perfekte Bedingungen für Nachtschwärmer. Natürlich muss das Wetter auch in diesem Jahr mitspielen. Anders als im vergangenen Jahr dürfte der Mond jedoch nicht stören. Insgesamt soll der Geminidenmeteorstrom vom 7. bis zum 17. Dezember sichtbar sein.
Die Zwillinge gehen bereits in den Abendstunden am Osthimmel auf, sodass bereits nach Einbruch der Dunkelheit die Sternschnuppenshow beginnt. Wer die Zwillinge nicht kennt: sie stehen genau links oberhalb vom Orion. Besonders hell sind ihre zwei Hauptsterne Kastor und Pollux, ein aus der griechischen Mythologie bekanntes Zwillingspaar. Der scheinbare Ausstrahlungspunkt der Sternschnuppen (Fachsprache: der Radiant) liegt knapp über Kastor, dem oberen der beiden Zwillingssterne. Das ist aber nur ein perspektivischer Effekt wie bei einer Autofahrt durch einen Schneeschauer.

Der Asteroid 3200 Phaethon gilt als Verursacher des Geminiden-Meteorstroms. Er kreuzt regelmäßig die Erdbahn und verliert auf seiner Umlaufbahn offenbar Partikel, die als Sternschnuppen in die Erdatmosphäre eintreten. Grafik: NASA/JPL/vhs-Sternwarte Neumünster
Der Grund für das vermehrte Auftreten der Sternschnuppen ist das Durchqueren der Erde einer kosmischen Staubwolke, die vermutlich vom Kleinplaneten „Phaethon“ hinterlassen wurde – möglicherweise ist dieser Asteroid zerbrochen und hat Trümmerteile auf seiner Bahn hinterlassen, die beim Eindringen in die Erdatmosphäre als Sternschnuppen verglühen.
Im Gegensatz zu den bekannten Perseiden-Sternschnuppen im Sommer muss man bei den Geminiden also nicht bis nach Mitternacht warten, um die meisten zu sehen. Ein freier Blick nach Osten ist dann von Vorteil, im Laufe der Nacht stehen die Zwillinge hoch im Süden, am Morgen streben sie im Westen ihrem Untergang entgegen. Aufgrund der eher ungemütlichen Temperaturen sollten Sternschnuppenfreunde unbedingt gute Winterkleidung anlegen. Auch Heißgetränke, wie z.B. Glühwein, helfen hervorragend gegen die Kälte und im Zweifelsfall auch gegen Frust bei schlechtem Wetter.

Ein heller Meteor im Sommer 2023 über Neumünster-Tungendorf. Foto: Marco Ludwig
Beobachtungshinweis:
Aufgrund des eingeschränkten Sichtfeldes unter der Sternwartenkuppel wird es an der vhs-Sternwarte keine Sternschnuppenbeobachtung geben. Zudem ist die vhs-Sternwarte aufgrund von Baumaßnahmen für Besucher geschlossen.
Beobachtungstipps in der Übersicht:
- In Schleswig-Holstein sind die Geminiden am besten zwischen dem 7. und 17. Dezember in der Zeit von 21 Uhr bis 06:00 Uhr zu sehen. Tendenziell sind mehr Sternschnuppen ab Mitternacht zu beobachten.
- Suchen Sie sich einen dunklen Standort mit guter Sicht in alle Richtungen.
- Nehmen Sie sich am besten einen bequemen Stuhl (Liegestuhl) mit.
- Gewöhnen Sie ihre Augen mehrere Minuten an die Dunkelheit. Schauen Sie zwischendurch NICHT auf ihr Handy.
- Beobachten Sie kontinuierlich den Sternenhimmel. Die Meteore können in unregelmäßigen Abständen in unterschiedlichen Bereichen des Sternenhimmels auftauchen.
Tipps zur Fotografie:
- Beachten Sie zunächst die Beobachtungstipps.
- Sie sollten über eine Digitalkamera mit der Fähigkeit zu längeren Belichtungszeiten verfügen. Ideal ist eine digitale Spiegelreflexkamera. Zudem benötigen Sie ein Stativ und einen passenden Fernauslöser.
- Rüsten Sie ihre Kamera mit einem lichtstarken Weitwinkelobjektiv aus (Fisheye ist auch möglich).
- Fokussieren Sie das Objektiv manuell auf eine weit entfernte Lichtquelle, z.B. einen hellen Stern.
- Richten Sie die Kamera nun auf den Sternenhimmel aus. Meteore können am gesamten Himmel sichtbar sein. Das Ursprungssternbild Zwillinge taucht im Nordosten auf.
- Belichten Sie bei voll geöffneter Blende mit Belichtungszeiten bis zu 15 Sekunden bei ISO 3200 oder höher.
- Lassen Sie Ihre Kamera dauerhaft Aufnahmen machen. Im Schnitt können Sie auf ca. 1 % der Bilder eine Sternschnuppe finden.

Im Sommer 2024 gab es neben Perseidenmeteoren sogar Polarlicht zu sehen. Auch für die Geminidenzeit ist die Sichtung von Polarlicht nicht ausgeschlossen. Dieses Foto entstand an der vhs-Sternwarte Neumünster. Foto: Marco Ludwig
Autor: Marco A. Ludwig (Leiter der vhs-Sternwarte Neumünster)
Quellen:
Kosmos Verlag, Kosmos Himmelsjahr 2025, Seite 256.
Verlag Spektrum der Wissenschaft, Sterne und Weltraum, 12/2025
Bildergalerie Sternschnuppen: